Was Autoren von Google lernen können
16. Juli 2007
Achtung, langer Beitrag. Aber trotzdem (oder gerade deshalb?) lesenswert. Besonders für Autoren. Und Verlage. Und Buchleser.
Heute in der Berliner Zeitung gelesen (auch aufgegriffen vom Literaturcafé): Ein interessanter Artikel von Jörg Sundermeier über die veränderte Buchhandels- und Verlagslandschaft und den wachsenden Anspruch an Autoren, sich selbst zu vermarkten. Sundermeier erklärt die veränderten ökonomischen Gegebenheiten in einem Markt, der heute von großen, Bestseller-Abverkaufs-orientierten Handelsketten mit reduziertem Titelangebot beherrscht wird. Die Folge: Die Margen für die Verlage werden knapp. Sehr knapp. So knapp, dass eine Mischkalkulation, wie sie üblich war, um aus den Erlösen der „großen Namen“ auch die unbekannten Werke und Autoren mitzufinanzieren, für die Verlagsunternehmen betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr macht.
Stattdessen muss jedes einzelne Buch ein eigenes „Profitcenter“ sein – und die Luft für Autoren (wenn sie denn nicht gerade Rowling oder Brown heißen) wird entsprechend dünn. Das gleiche gilt für neue Werke von Autoren, die schon einmal bei einem Verlag veröffentlicht haben: Jedes Buch muss neu beworben werden, und mit ihm auch der Autor. Der Autor, der jedoch vom entstehenden „ökonomischen Druck“ (wie Sundermeier es nennt) in seiner Kreativität nur gestört wird und der im Zweifel nur wenig Ahnung davon hat, welche Marketinginstrumente er denn nun wie einsetzen kann und muss.
Was also tun? Vorlesen zum Beispiel. Auf Lesungen, die oft vom Autoren selbst organisiert sind, und auf denen vielleicht auch noch der Abverkauf des Buches selbst in die Hand genommen wird. Oder bloggen. Über einen Account bei einem der zahlreichen Blogseiten und/oder über die eigene Homepage/Domain.
So weit, so gut. Aber zufriedenstellend wird dies wahrscheinlich in den allerwenigsten Fällen laufen. Und der Grund dafür liegt auf der Hand: Der einzelne Blog oder die einzelne Lesung, sprich: der einzelne Autor/die einzelne Autorin hat nicht genügend Visibilität beim Lesepublikum. Die kritische Masse wird nicht erreicht, um einen ausreichenden „Pull-Effekt“ zu generieren. Der Multiplikator fehlt.
Der Vergleich zu Google liegt nah: Jede einzelne Seite, die heute AdSense-Werbung integriert, wäre für sich für die Werbetreibenden viel zu unbedeutend – mal ganz abgesehen vom Aufwand, direkt mit hunderttausenden oder Millionen von Seitenbetreibern zu verhandeln. In der Gesamtheit aber, und mit einem zentralen Multiplikator – Google nämlich – wird dies auf einmal zu einem Milliardenmarkt. Und nutzen tut es jedem Beteiligten: Den Werbetreibenden, ebenso wie den Seitenbetreibern und natürlich auch Google.
Übertragen auf den Buchmarkt bedeutet dies: Kein Leseinteressierter wird nach Autoren Ausschau halten (im Web oder offline), die er heute vielleicht nicht einmal kennt. Ebensowenig wird kein potenzieller Buchkäufer den Aufwand betreiben, sich auf tausenden einzelnen Homepages oder Blogs das für sie neue, spannende Werk oder neuen Autoren herauszusuchen. Organisieren sich Autoren jedoch auf einer zentralen Plattform mit Ihren Profilen, Werken (vielleicht noch in verschiedenen Ausgabeformaten, wie es dem Leser gefällt), Blogs, Leserbewertungen und -empfehlungen, dann entsteht ein stimmiges Konzept, das allen Beteiligten nutzt. Weil Autoren von der Vermarktung und Visibilität dieser gemeinsamen Plattform profitieren. Weil Leser eine Anlaufstelle für neue Autoren und Werke haben. Und weil Verlage direkt sehen, was dem Publikum gefällt und was im Markt ankommt (aka. was sich für eine Aufnahme ins Buchprogramm eignen und lohnen wird).
Womit auch grob (wirklich nur grob, zum Konzept gehört noch eine Menge mehr) erklärt wäre, was sich auf readbox.net in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln wird. Spannende Zeiten, in denen wir unser kleines Business hier gründen ;-).