Bücher verkaufen: Gestern, heute und morgen (Teil 1)

Bild von Jordi Payà Canals via Flickr

Eigentlich wollte ich so zum Ende des Jahres nur alles Gute, Erfolg und Glück für’s neue Jahr wünschen, aber dann kamen noch zwei bzw. drei Dinge dazwischen, die ich gerne hier auch noch verwerten will:

Zum Ersten wäre da das „Sonntagsgespräch“ mit mir im Buchmarkt, in dem ich versucht habe (und die Gelegenheit bekam – vielen Dank nochmal dafür, liebe Friederike von Raison!), etwas ausführlicher darüber zu sinnieren, warum Bücher verkaufen im zunehmend digitalen Zeitalter signifikant anders funktioniert – funktionieren muss – als wir das in der Branche gewohnt sind. Und darüber, dass Digitalisierung eben nicht nur E-Books betrifft, sondern das Konsumverhalten der Menschen verändert, deren Geld wir gegen unsere Produkte – gedruckt oder wie auch immer dargebracht – tauschen wollen.

Zum Zweiten las ich dann noch zwei Nachrichten, die ganz gut in diesen Zusammenhang passen, nämlich dass sich Sony Music nicht mehr als „Plattenabel“, sondern als „Entertainment-Plattform“ sieht und dass IBM die Online-Verkäufe zu Weihnachten statistisch erfasst und festgestellt hat, dass in diesem Jahr 34,8 Prozent der Online-Weihnachtseinkäufe über mobile Geräte getätigt wurden.

Also, hab ich mir gedacht, versuche ich mal was. Vielleicht gelingt es mir ja, die Aussagen der drei Artikel gegeneinander zu spiegeln, daraus irgendwie einen roten Faden zu spinnen und ein paar Thesen herauszufiltern. Los geht’s heute mit:

These 1: Das Einzige, auf das wir uns verlassen können, ist die Veränderung. Wir werden nie fertig sein und einen Status Quo erreicht haben.

In „Die Welt“ wird Philip Ginthör, Chef von Sony Music Entertainment in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit den Worten zitiert: „Wenn wir die digitale Transformation richtig nutzen, wird uns [eine deutliche Umsatzsteigerung trotz des Rückgangs im klassischen Musikgeschäft] gelingen“.

Es klingt, als sei die „digitale Transformation“ etwas Neues, das jetzt anzugehen sei. Die Wirklichkeit ist: Die Musikbranche kämpft spätestens seit dem Start von Napster 1999 mit den Konsequenzen der fortschreitenden Digitalisierung (iTunes ging 2 Jahre später online). Das Thema beschäftigt die Musikindustrie also seit 15 Jahren – 15 Jahre, in denen weltweit nur drei Major Labels übrig geblieben sind (Universal, Warner und Sony) und in denen der deutsche Tonträgermarkt 47,6% der Umsätze aus dem Musikverkauf verloren hat (Basis für die Berechnung: Statista). Und dennoch erwartet Sony erst jetzt „die spannendsten drei bis fünf Jahre der digitalen Transformation“ – was immer das bedeuten mag …

Auch wenn es sich manchmal so anfühlt: Die Buchbranche ist noch nicht ansatzweise in den Strudel geraten, der durch die Digitalisierung der Gesellschaft entsteht. Im Sonntagsgespräch mit dem Buchmarkt habe ich es so formuliert:

Ich habe (…) den Eindruck, dass „Digitalisierung“ immer noch mit „E-Book“ gleichgesetzt wird. Dabei geht es um mehr: Das Konsumverhalten und die Mediennutzung (auch Bücher sind Medien) ändern sich durch Technologieentwicklung und gesellschaftliche Einflüsse elementar.

Der Konsument hat im und durch das Internet eine nie dagewesene Macht – und wird sich aus der Vielzahl an Angeboten das aussuchen, das schnell, einfach und zielgerichtet das aktuelle Bedürfnis befriedigt.

Und während wir uns nicht einmal an das E-Book, den immer größer werdenden Preisdruck, den Wettbewerb durch die Self Publisher gewöhnt und auch noch nicht die richtige Produktformel gefunden haben, die Bücher für Spotify-, YouTube und „Let’s Play“-Nutzer als attraktive Alternative erscheinen lassen, müssen wir schon wieder das nächste lernen:

Hinter der Überschrift, dass fast 35% der Online-Weihnachtseinkäufe mit mobilen Geräten (Smartphones und/oder Tablets) nicht nur vorbereitet, sondern auch abgeschlossen wurden, steckt nämlich auch eine deutliche Aussage: Einen immer größeren Teil unserer Zielgruppe werden wir vornehmlich nur noch über das „mobile Internet“ erreichen können. Wir befinden uns dort in direkter Konkurrenz mit allen anderen medialen Angeboten (What’sApp, Mails, Twitter, Facebook, Angry Birds, die Musikbibliothek …) – und in einer Konsumwelt, in der der Handel eine ziemlich andere Bedeutung hat und anders funktioniert, als wir das vom Buchhandel (auch online) bisher gewohnt sind.

Und was kommt morgen? Mit Blick auf das Moore’sche Gesetz, das im Internet der Dinge aber wohl sowieso keine wahnsinnig große Bedeutung mehr haben wird, können wir wohl davon ausgehen, dass Wearables und Spracherkennung noch nicht das Ende der Entwicklung sind.

Für uns, die wir unser Geld mit Medien verdienen, bedeutet das: Die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, sie organisatorisch nicht nur zu verdauen, sondern für die Identifikation und Entwicklung profitabler Geschäftsmodelle zu nutzen, wird zur Kernkompetenz.

Morgen folgt Teil 2 des Artikels: „These 2: Die Aufmerksamkeitsspanne der Konsumenten sinkt mit einem zunehmenden Medien-Überangebot – und mit ihr sinken auch die erzielbaren Erlöse“

Bücher verkaufen: Gestern, heute und morgen (Teil 1)

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