E-Book-Neuland für Zeitschriftenverlage voraus! (Teil 2)

Kompass ebooksViele (Fach)Zeitschriftenverlage haben für sich das Thema E-Book noch nicht entdeckt – dabei kann hier für Kunden- wie Verlagsseite echter Mehrwert und zusätzliche Erlöse generiert werden. Von Steffen Meier

Neue Lesegeräte, alte Inhalte
Im Fokus vieler Buchverlage sind Endgeräte, die „Single-purposed Devices“ (also Geräte, die weitgehend im Leistungsumfang nur einem Zweck dienen) sind: der „klassische“ E-Reader. Aber schon mit dem Eindringen des Tablets als Lesegerät, und zwar im weltweiten Vergleich deutlich häufiger anzutreffen als E-Reader, zeigt sich ein Wandel hin zu „Multi-purposed Devices“, der stetig weitergeht, was dazu führt, dass das weltweit führende Lesegerät für digitale Inhalte aller Art, aber eben auch das klassische E-Book, das Smartphone ist.

„Content follows Device“, dies war schon beim Übergang von der Schriftrolle zum gebundenen Buch so und wird sich hier wieder bestätigen. Und die Nutzungssituation des Smartphones bis hin zur Display-Größe wird zukünftige Inhalte beeinflußen, nicht mehr die Seitenzahl, sondern die Dauer des Lesevorgangs wird entscheidender, aus dem langen Fließtext wird ein Informationsfragment. Und dies ist ein wiederum für Fachzeitschriftenverlage täglich Brot, deren Redaktionen darauf getrimmt sind, mit minimalem Umfang das optimale an inhaltlichem Mehrwert zu generieren.

Aber E-Books fallen nicht vom Himmel!
Bei all den „Opportunities“ darf aber nicht vergessen werden, dass für Fachzeitschriftenverlage im Kontext E-Book einige Hausaufgaben zu erledigen wären. Zum einen müssen durch den Verkauf über die E-Book-Plattformen neue Vertriebswege aufgebaut werden.

Wenn wir aber über adäquate Inhalte reden, dann sollte dabei nicht die reine Zweitverwertung bestehender Print-Inhalte das Hauptziel sein. Sondern die Generierung nutzwertiger Inhalte für den Leser. Dabei spricht nichts dagegen, Zeitschriftenartikel zu bündeln. Aber diese müssen in einem Kontext stehen, etwa wenn ein Thema im E-Book umfassend abgebildet wird, während es in der Zeitschrift über einen längeren Zeitraum in Informationshäppchen veröffentlicht wurde. Oder es verändern sich äußere Umstände, etwa durch den Markteintritt eines neuen Produkts, eine Gesetzesänderung o.ä. die ein kuratiertes Bundling von Zeitschriftenartikel erforderlich machen. Oder ein Zielgruppenthema wird in einem Artikel fokussiert, in einem zugehörigen E-Book ausführlich behandelt. Oder man trennt klar und schafft komplett neue Inhalte für E-Books. Hier ist natürlich stark die Redaktion gefragt, die aber meist ihre Zielgruppe besser kennt als die klassischen Lektorate in Buchverlagen es tun.

E-Books tun nicht weh – wirklich!
Viel verändert sich in den Zielgruppen, sei es Leseverhalten oder Hardware-Nutzung. Viel verändert sich in den digitalen Produktformen und Märkten. Interessanterweise sind an vielen Punkten, die zukünftig entscheidend sein werden, gerade die Fachzeitschriftenverlage bestens aufgestellt, vor allem in der mentalen Einstellung zu diesen neuen Produkten, aber auch dem Leser und Kunden von heute, besitzen langjährige Erfahrung und Instrumente, die klassische Buchverlage gerade erst aufzubauen beginnen. Ob man diese Chance letzten Endes ergreift oder nicht, ist die eine Sache. Eine andere ist die, ernsthaft darüber nachzudenken. Eigentlich eine gute alte Verleger-Tugend.

Der Artikel erschien zuerst im SZV letter

Teaserbild: Nico Kaiser

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