Menthal Balance – Die App im Selbstversuch

Wir haben für unseren Kundentag Ende April Alexander Markowetz als Keynote-Speaker gewinnen können. Er leitet das interdisziplinäre Menthal App Projekt an der Uni Bonn. In einer Studie werden dabei mithilfe einer Android App die Nutzungsdaten von über 300.000 Smartphone Nutzern erfasst und ausgewertet.

Damit kommen wir zu mir:
Ich besitze seit 2012 ein Smartphone und bewahre meine Zugangskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel in der Telefonhülle auf, weil ich eher ohne Portemonnaie aus dem Haus gehen würde als ohne Telefon.
(Angeschafft habe ich es übrigens vornehmlich deshalb, weil das Tweeten mit dem iPad im Gewühl einer Buchmesse so lästig ist.)
Als ich mir für die Tätigkeit bei readbox ein Diensthandy aussuchen durfte, habe ich mich bewusst für einen Androiden entschieden, da ich privat beim iPhone hängengeblieben bin. Was für ein Glück, da ich so endlich dazu gekommen bin, mich mit Android eReading Apps zu befassen und außerdem gibt es die Menthal Balance App nur für das Android-Betriebssystem.

Also habe ich mir in Vorbereitung auf unser Event die App installiert und versucht, mich wenigstens eine Woche lang mehr mit dem Androiden zu befassen als mit meinem privaten Telefon.
Ich gebe direkt zu, dass mir das nur teilweise gelungen ist. Der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier und während ich mich nicht unbedingt als Maßstab für die Gesamtheit nehmen möchte, so stimmt dieser Satz für mich in jedem Fall.

Ich habe zu Beginn die Interdisziplinarität der Studie erwähnt: Hier wird eine Brücke geschlagen zwischen Informatik, Psychologie und Medizin.
Die App erfasst nicht nur, wie viel Zeit ich mit einzelnen Apps und mit meinem Smartphone insgesamt verbringe, sie fragt auch meine Stimmung ab und erstellt auf Grundlage einiger Fragen ein rudimentäres psychologisches Profil.
Ich habe kurz überlegt, einen Screenshot meines Profils hier einzubringen, aber das geht selbst mir zu weit.

In den meisten Berichten, die ich zur App gefunden habe, liegt der Fokus auf der „digitalen Diät“, die die App ermöglicht. Ich kann nicht nur nachsehen, welche App ich wie lang benutzt, wie viel ich telefoniert und wie viele SMS ich geschrieben, wie oft ich das Display angeschaltet und wie oft ich das Telefon tatsächlich entriegelt habe- ich kann auch Zeitlimits für Apps eingeben. Ist das Zeitlimit überschritten, wird ganz kurz eine entsprechende Meldung eingeblendet. Die Limits kann ich selber mit einer Dauer von einer Minute bis zu fünf Stunden einstellen.

analyzing
Ich benutze mein Telefon ziemlich häufig, um die Uhrzeit nachzusehen. Oftmals direkt nacheinander, weil ich sofort nach dem Hinsehen wieder vergessen habe, was ich gesehen habe. (Das geht mir aber auch mit meiner sporadisch angelegten Armbanduhr so.) Heute habe ich bis 15:30 mein Telefon 21mal entriegelt und den Bildschirm 31mal angeschaltet. 
Außerdem findet bei mir viel Kommunikation über Facebook statt, sowohl privat als auch beruflich.
Ich beziehe den Großteil meiner News aus meiner Facebook-Timeline. Wenn ich irgendwo bin und warten muss, schaue ich manchmal ganz (ganz) kurz nach meinen readbox-eMails.

Meine Nutzerdaten (Entschuldigung, liebes Team der Uni Bonn!) sind wohl dennoch nicht verlässlich. Einige Apps benutze ich mit dem iPhone häufig, während ich sie auf dem Androiden nicht einmal installiert habe (, weil es sie zum Teil nur für die iOS-Umgebung gibt).

Zweimal am Tag fragt die App mich, wie ich mich fühle. Dabei wird ein Smiley eingeblendet, bei dem ich die Mundwinkel verschieben kann. Die App fragt meinen Standort ab und ich kann mir ansehen, an welchen Standorten meine Stimmung wie aussah.
Diese Abfrage hat mich ein bißchen an die zurzeit bei Facebook grassierende „Positiv-Challenge“ denken lassen. Während es bei der Challenge darum geht, jeden Tag drei positive Dinge zu finden und diese kundzutun, zwingt mich die Abfrage der Menthal App zweimal täglich kurz in mich hereinzuhorchen und zu entscheiden, wie ich mich fühle.

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Während ich es einerseits durchaus spannend finde, zu tracken welche Apps ich wie lange benutze und wie oft ich tatsächlich telefoniere oder Nachrichten verschicke, ist die Limit-Funktion für mich unwichtig. Nicht zuletzt, weil mir eine Einschätzung fehlt, was „angemessen“ ist und was „zuviel“. (Ähnlich geht es mir übrigens auch mit Kalorienzahlen auf Lebensmitteln. Schön, dass die da sind, aber mir fehlt jedwede Vorstellung, was viel und was zu viel ist.)
Aber ich kann mir vorstellen, dass es unter Umständen hilfreich sein kann, sich selbst ein wenig auf die Finger zu schauen bei der Smartphone-Nutzung.

In jedem Fall finde ich die Studie hochinteressant und bin sehr gespannt auf den Vortrag von Herrn Markowetz.
Die Verbindung der Nutzungsdaten im Zusammenspiel mit den psychologischen Profilen und den Stimmungsabfragen führt sicher zu interessanten Erkenntnissen. Insbesondere die Frage nach Lesestoff auf dem Mobiltelefon und nach Lesezeit ist für Verlage interessant. 

Ich werde aber wohl in Zukunft mein(e) Smartphone(s) weiter so benutzen wie zuvor.
Vielleicht tweete ich ein bißchen von unserer Veranstaltung und jage das eine oder andere Foto über Instagram heraus.
Welches Telefon ich benutze, überlege ich mir noch.

Menthal Balance – Die App im Selbstversuch

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