Fragen über Fragen … zum Thema „DRM“

Was steckt denn überhaupt dahinter und was bedeutet dies konkret?
Das Thema „DRM“ beschäftigt jeden Verlag und Contentanbieter, der Inhalte über die Onlineshops anbieten möchte. Doch was heißt nun konkret, dieser Titel hat ein hartes DRM, dieser Soft-DRM?
Diesen Fragen wollen wir heute auf den Grund gehen.

DRM, das Digital Rights Management, ist zum einen immer eine strategische Entscheidung und zum anderen auch häufig ganz klar eine rechtliche, da es zum Beispiel durch Autorenverträge geregelt ist.
Beginnen wir mit der Möglichkeit, Titel ohne DRM anzubieten.
Damit ist die Datei ungeschützt und so oft durch den Nutzer kopierbar, wie er mag. Er kann sie legal zum Beispiel mit calibre auch in andere Formate wie die Kindle-Formate umwandeln, sprich, der Käufer kann die Datei frei nutzen, ganz wie er mag.
Wird eine Datei mit Soft-DRM oder umgangssprachlich „Wasserzeichen“ versehen, so kann dies ganz unterschiedlich passieren. An sich bedeutet Soft-DRM eine eindeutige Markierung der Datei auf den Nutzer. Wie diese dann aussieht, ist allerdings von Shop zu Shop unterschiedlich. Diese Markierung dient als psychologischer „Schutz“ der Datei, denn es ist nachverfolgbar, wer diese Datei erworben hat. Daher sprechen viele auch von Social DRM, denn ein Nutzer sollte sich hier gesellschaftlich verantwortlich fühlen und eben seine Datei, die auf ihn zurückverfolgbar ist, nicht frei ins Netz stellen.
Es gibt im Markt diverse Lösungen, wie ein Soft-DRM aussehen kann. Fraunhofer (Link: Informationen von Fraunhofer) bietet hier eine Möglichkeit an, aber viele Shops nutzen auch Eigenentwicklungen, wie etwa die tolino Allianz.
Die Frage ist hier immer nur, wie sieht die Markierung der Datei aus? Wird der Name des Nutzers eingebaut oder eine Transaktionsnummer des Kaufes oder eine Kundennummer? Und ist die Markierung sichtbar oder unsichtbar für den Käufer oder nutzt der Shops gar eine Kombination aus sichtbarer und unsichtbarer Markierung?

Tolino arbeitet hier mit einem System, dass von der Telekom entwickelt wurde, und unsichtbar eine Transaktions-ID in das eBook einbaut.
readbox arbeitet auch mit einer Eigenentwicklung. Diese nutzen unsere Kunden sehr gern für den Versand Ihrer Beleg- und Rezensionsexemplare, wie unsere Jahresstatistik (Link: readbox rettet 16.358 Bäume!) zeigt. Unser Soft-DRM baut in die eBooks nach dem Cover eine sichtbare Zusatzseite ein, die Informationen zum Kunden beinhaltet. Zusätzlich werden aber auch versteckte Textstellen eingebaut, so dass selbst wenn die Informationsseite entfernt würde, der Titel eindeutig dem Nutzer zuordenbar bleibt.

Möchte der Verlag hartes DRM einsetzen, so ist hier die Lösung von Adobe in der Regel in Benutzung. Nur apple und amazon arbeiten mit eigenen DRM-Schutzverfahren.
Im Allgemeinen bedeutet ein hartes DRM, dass das eBook eindeutig auf einen Nutzer registriert ist und dass dieser die Datei nicht vervielfältigen kann. Dieser Nutzer kann es aber auf einer beschränkten Anzahl von Geräten gleichzeitig downloaden bzw. lesen.
So kann ich einen Titel erst auf meinem eReader zu Hause beginnen und dann unterwegs auf meinem Tablet oder über die Smartphone-App meines präferierten Shops weiterlesen.
Die drei großen Systeme, Kindle, iBooks und tolino bieten alle Ihren Kunden einen Cloudspeicher und eine Synchronisation des Lesefortschritts über die verschiedenen genutzten Geräte an.
Der harte DRM-Schutz über Adobe, den alle großen deutschen Händler einsetzen, ist für viele Nutzer immer wieder eine Hürde, um an den Lesestoff zu gelangen. Kauft ein Leser ein eBook mit hartem DRM, so wird dieser Verkauf über die Adobe Content Server, kurz ACS, abgewickelt. readbox setzt dieses Verfahren zum Beispiel für die Belieferung der Leser von cora.de ein.
Eine Mastercopy des gekauften Titels muss auf dem ACS liegen und findet ein Kauf statt, wird für den Kunden ein individueller Downloadlink erstellt. Diesen erhält der Kunde zum Beispiel in seiner Kaufbestätigung per Mail und steuert damit den Adobe Content Server an, der ihm eine acsm-Datei liefert. Der Kunde öffnet dann auf seinem Gerät oder PC die acsm-Datei, welche Informationen zum Kauf und zu den Downloadrechten enthält. In diesem Schritt findet eine Verknüpfung der Informationen mit der Adobe-ID des Kundens statt und dann stößt das Gerät oder der ADE auf dem PC (Adobes eBook-Leseprogramm Adobe Digital Editions), den Download des eBooks an und der Kunde erhält die Datei und kann mit dem Lesen beginnen. Jeder Kunde, der ein eBook mit hartem DRM aus einem Shop kauft, welcher die Adobe-Lösung nutzt, muss sich also vorher bei Adobe registrieren und eine persönliche Adobe-ID erhalten. Hierfür wird eine eMailadresse benötigt.
Viele Kunden haben Probleme mit diesen Vorgängen, verlegen Ihre Zugangsdaten oder registrieren sich doppelt bei Adobe.

Die Entscheidung, wie mit DRM umgegangen wird, muss jeder Verlag, möglicherweise auch titelbezogen, treffen.
Erfreulich ist allerdings, auch aufgrund der geschilderten Probleme mit der Adobe-Lösung, die auch an anderen Stellen in der Branche immer wieder thematisiert werden, dass sich immer mehr Verlage gegen hartes DRM entscheiden. Digitale Vorreiter wie Bastei Lübbe nutzen schon seit längerem kein DRM mehr, und zuletzt hat der DuMont Buchverlag auf Soft DRM umgestellt. (Link: Meldung Börsenblatt)
Auch wir empfehlen unseren Kunden, auf hartes DRM zu verzichten, um die Prozesse für den zahlungswilligen Käufer so einfach wie möglich zu halten. Zudem sollte natürlich bewusst sein, dass selbst der derzeitige DRM-Schutz von Adobe mit einfachen Mitteln zu entfernen ist und Piraterie nicht verhindern kann.
Unsere Kunden wie W. Bertelsmann, Pendragon, Cornelsen und das Bibliographische Institut setzen daher kein DRM oder Soft DRM ein.

Selbst der Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller sprach sich im Januar diesen Jahres für ein Umdenken der Verlage und eine Abkehr vom harten DRM aus. (Link: Meldung buchreport)

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