2002, 2017, 2030: Fünf Megatrends und ihr Einfluss auf unser Leben – und Ihr Geschäft (erster Teil)

Die Welt 2002, vor 15 Jahren: Im Kino lief der erste Teil von Ice Age, der zweite Teil der Harry-Potter-Geschichte („… und die Kammer des Schreckens“) und „Kick it like Beckham“, und die laut Chip Magazin „schönsten Handys des Jahres“ sahen so aus (das iPhone – und damit das Smartphone wie wir es heute kennen – war noch 5 Jahre entfernt):

Facebook gab’s noch nicht (gegründet 2004), nicht einmal Studi VZ (gegründet auch erst 2005). YouTube? Nö. (2005). Instagram? Lange nicht (2010). … Netflix gab’s schon (gegründet 1997), hat aber 2002 noch Filme auf DVD und VHS-Kassetten (ja, auch die gab’s noch) per Post an die Kunden versendet – ins „Video-on-Demand-Geschäft“ stieg man erst 2007 ein. Es gibt noch mehr Beispiele – aber ich denke, es wird auch so klar: Die Welt vor 15 Jahren war eine andere.

Und sie wird sich in den kommenden 15 Jahren nicht weniger (und nicht weniger schnell – im Gegenteil) verändern.

Das illustriert eine interessante Studie, über die ich gestolpert bin („Values & Visions 2030“ der GIM Gesellschaft für innovative Marktforschung) und die meines Erachtens auch eine recht hohe Relevanz für unser Tun hier in der Buchbranche hat. Über 2 Jahre, im Zeitraum 2015-2017, lief die Studie (deshalb der Blick auf den Zeitraum von 15 Jahren … 2015-2030 …).

Die Experten von GIM sagen dazu:

Digitalisierung und Globalisierung verstärken und beschleunigen sich gegenseitig und werden dies auch in Zukunft tun. Unsere Art zu kommunizieren, zu arbeiten, unsere Freizeit zu gestalten, unsere Gemeinwesen zu organisieren, aber auch unser Umgang mit dem eigenen Körper und viele andere Dinge könnten daher in fünfzehn Jahren schon sehr anders aussehen als heute.

Substantielle Veränderungen von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen sind zu erwarten – Megatrends, die auf einer großen, globalen Skala angesiedelt sind. Den tiefgreifenden Einfluss, den Megatrends auf unser Leben bis 2030 und auch darüber hinaus entfalten, werden wir sowohl in unserer privaten Umgebung spüren als auch quer durch alle Wirtschaftsbranchen. Das wird zu Grenzverschiebungen und Grenzauflösungen führen: Vieles, was uns bis heute bekannt erschien, wird sich morgen schon ändern. Wir müssen uns neu orientieren.

Unter anderem ergaben sich aus einer repräsentativen Online-Befragung 5 Megatrends: Algorithmisierung, Verwertung, Gestaltung, Fragmentierung und Re-Lokalisierung. Klingt erstmal wenig greifbar. Wird es aber, wenn man sich etwas damit beschäftigt. Deshalb diese Artikelserie.

1. Algorithmisierung

Computer werden immer kleiner, in immer mehr Bereichen eingesetzt und sind immer stärker vernetzt … Big Data, künstliche Intelligenz, Internet of Things – es gibt eine Menge Vokabeln, über die wir quasi täglich lesen und sprechen – und doch scheinen sie in unserem täglichen Leben noch kaum eine Rolle zu spielen.

Oder?

Wenn wir genauer hinsehen, dann können wir sehr genau erkennen, wohin die Reise führt. Maschinen erfassen und analysieren, was um uns herum geschieht und lernen so, auf uns zu reagieren und Entscheidungen selbständig und für uns zu fällen. Anders wären Konzepte wie selbstfahrende Autos auch gar nicht denkbar.

Aber schon im Kleineren können wir sehen und erfahren, wie die Algorithmisierung schon in unserem Alltag angekommen ist. Woher z.B. weiss Google Maps, wo zu welcher Zeit (und auch aktuell) auf welcher Strecke Stau ist – und schlägt mir auch bei der Routenplanung unterschiedliche Strecken vor, je nachdem, wann ich vorgebe losfahren zu wollen (gerne mal probieren und eine Autofahrt von Dortmund nach München planen: einmal mit Abfahrt um 00:30 Uhr und einmal um 08:30 Uhr).

Und bekomme ich wohl einen Tisch in meinem Lieblingsrestaurant? Auch hier weiss Google Rat:

googlemapsrestaurants

Und woher weiss Google, wann die Stoßzeiten sind und wie lange die Besucher so bleiben? Alles was dazu nötig ist, haben auch Sie in der Hosentasche – Ihr Handy funkt Ihren Standort und Ihre Bewegungen zurück, da brauchen Sie selbst gar nichts zu tun … (und deshalb weiss Google auch, wo gerade Stau ist – also kann Google für Sie auch die Entscheidung treffen, jetzt gerade lieber eine alternative Strecke zu wählen).

Der Umstand, dass Computer immer leistungsfähiger, Daten immer verfügbarer werden, lässt sich natürlich auch für Marketinganwendungen sehr gut nutzen. Warum sollten Sie sich einen „verkaufenden“ Beschreibungstext und Schlagworte ausdenken, wenn ihnen die Kunden, die Sie erreichen wollen, über ihre Suchanfragen und ihr Surf- und Kaufverhalten auf den Plattformen genau mitteilen, nach welchen Stichworten sie suchen? Warum sollten Sie selber Preise festlegen, wenn die Kundendaten Ihnen sagen, welcher Preisunterschied in einer Werbeaktion über welche Laufzeit die größte Absatzsteigerung bringt? Wenn Datenzugriff und -analyse in Ihrem Unternehmen gut genug funktionieren, dann kann die Maschine letztendlich die Entscheidung nicht nur vorbereiten, sondern auch treffen und die entsprechenden Aktionen ausführen. Und Sie können sich um die Dinge kümmern, die wirklich ihre Aufmerksamkeit benötigen.

Der zweite Teil des Beitrags wird sich um die Megatrends „Verwertung“ und „Gestaltung“ drehen und am 7. August erscheinen.

 

Zur Studie (von der Studien-Website)

Die Studie „Values & Visions 2030“ ist als Zukunfts- und Wertestudie angelegt, die methodisch weitgehend dem klassischen Delphi-Ansatz folgt, angesichts des panoramischen Anspruchs jedoch um zusätzliche methodische Module erweitert wurde. Die Vorgehensweise bestand dabei aus abwechselnden Phasen der Datenerhebung und Datenanalyse.

Um als erstes die fünf Megatrends zu identifizieren, haben wir einen qualitativen, theoretischen Ansatz gewählt und Literatur und persönliche Expertengespräche ausgewertet. Im zweiten Schritt haben wir aus den Megatrends sogenannte Wertethesen entwickelt. Diese wurden in einer repräsentativen Online-Befragung von Bürgern und Experten bewertet, also einer quantitativen Prüfung in der Praxis unterzogen. Dabei wurden die Teilnehmer mit Zukunftsszenarien konfrontiert und gefragt, wie verbreitet diese in Zukunft sein werden und ob das überhaupt wünschenswert wäre. Ihre Antworten spiegeln sich in acht Wertefeldern wider, die wir im letzten Schritt analysiert haben. Zusammengefasst: Was glauben Bürger und Experten, wie die Zukunft sein wird, und was halten sie davon?

http://www.values-visions-2030.com/home.html

2002, 2017, 2030: Fünf Megatrends und ihr Einfluss auf unser Leben – und Ihr Geschäft (erster Teil)

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