2002, 2017, 2030: Fünf Megatrends und ihr Einfluss auf unser Leben – und Ihr Geschäft (zweiter Teil)

Die Welt vor 15 Jahren war eine andere – und sie wird sich auch in den kommenden 15 Jahren nicht weniger (und nicht weniger schnell) verändern. Das legt auch eine Studie nahe, die über den Forschungszeitraum von zwei Jahren (2015-2017) fünf Megatrends zu der Fragestellung „Was glauben Bürger und Experten, wie die Zukunft sein wird, und was halten sie davon?“ identifiziert hat – mit einiger Relevanz und Konsequenz auch auf die Art und Weise, wie wir in Zukunft Geschäfte machen werden.

Teil 1 dieser Beitragsserie (zum Megatrend „Algorithmisierung“) ist am 31. Juli 2017 erschienen und hier verfügbar. Im heutigen Beitrag geht es um die Trends „Verwertung“ und „Gestaltung“:

 

2. Verwertung

Jede Tätigkeit oder Eigenschaft wird zunehmend mit dem Zweck verknüpft werden, aus ihnen Kapital zu schlagen. Sie werden also sozusagen ihres Selbstzwecks beraubt. Niemand tut mehr etwas, um den Moment zu genießen und für das zu nehmen, was er ist. Wie die Studie sagt:

Die Schönheit des Moments wird höchstens ausgekostet, wenn sie gleichzeitig nützlich ist. Die Motivation, seine Freizeit angenehm zu gestalten, wird dem Drang zur mess- und vergleichbaren Optimierung untergeordnet.

Jede Handlung, jedes Erlebnis würde „nur noch unter dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit betrachtet“.

Wobei auch das eigentlich nicht neu ist. Zum Beispiel gibt es schon sehr lange diese Betrachtung, die ihren Ursprung im Direktmarketing hat und beschreibt, warum (also aus welcher Motivation heraus) Menschen Kaufentscheidungen treffen. Nämlich dann, wenn mindestens eine der folgenden vier Bedürfnisse befriedigt werden:

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Die 4 Ps des Direktmarketings: Warum Kunden kaufen. (Quelle: Beate Strauss „Worauf reagieren Zuhörer wie?“

Wie lassen sich also Ihre Angebote an ihre Kunden „verwerten“? Auch hier helfen Daten. Indem sie Ihnen zuverlässige Informationen darüber liefern, welche Zielgruppe zu welchem Zeitpunkt gerade für welche Botschaft zugänglich (affin) ist. Und wenn Ihre Systemlandschaft performant genug ist, dann schnell und direkt (automatisiert) auf diese Gelegenheiten zu reagieren, die richtigen Produkte mit den richtigen Schlagworten zur richtigen Zeit am richtigen Ort an die richtigen Empfänger auszuspielen, dann ist Digitalisierung keine Gefahr mehr, sondern die Chance für eine nachhaltige Erfolgsstrategie.

 

3. Gestaltung

Das Internet, die Entwicklung zur Informationsgesellschaft hat zu einer wesentlichen Machtverschiebung von den Anbietern zu den Konsumenten geführt. Inzwischen betrifft das alle Lebensbereiche – wann haben Sie z.B. das letzte Mal Dr. Google befragt, bevor sie zum Arzt gegangen sind?

Wie die Studie es beschreibt: „Wir greifen in immer mehr Sphären unseres eigenen Lebens, unseres Körpers und unserer Welt gestaltend ein“. Einfach weil wir können, weil die Technologie uns mächtig macht. Mächtiger vielleicht als wir sein sollten.

Bevor diese Diskussion aber zu sehr ins Philosophische abdriftet: Hat auch dieser so genannte Megatrend Auswirkungen auf unser wirtschaftliches Handeln in unserer Branche? Die Konsequenzen und Möglichkeiten, die sich hier ergeben, sind wahrscheinlich limitiert. Aber dennoch gibt es in der Studie noch ein interessantes Zitat zum Thema „Gestaltung“:

[…] werden immer kreativer und möglicherweise auch offener für Neues. Doch wer nicht aufpasst, verliert sich im Meer der Möglichkeiten. Denn wenn alles veränderbar ist, fehlt auch ein ruhender, sicherer Pol, droht ein Leben in ständiger Bewegung und Ungewissheit.

Vielleicht ist das die Positionierung, die wir einnehmen können. Für Ruhe und Sicherheit stehen und Sorgen und Ungewissheit nehmen. Wenn das als Wert wahrgenommen und sogar immer wichtiger wird, dann wird es sinnvoll sein, Marketingkommunikation und -kampagnen so auszurichten. Zum Beispiel über eine stärkere Präsenz und ein „Aufladen“ der eigenen Marke als „Partner“, dem man vertrauen kann – und das kann für Fachinformationen genauso gut funktionieren wie für belletristische Inhalte, mit denen man vielleicht nur ein paar Momente abtauchen will aus dieser unüberblickbaren, schnellen, anstrengenden Welt.

Der dritte und vorletzte Teil des Beitrags wird sich um die Megatrends „Fragmentierung“ und „Re-Lokalisierung“ drehen und am 14. August erscheinen.

 

Zur Studie (von der Studien-Website)

Die Studie „Values & Visions 2030“ ist als Zukunfts- und Wertestudie angelegt, die methodisch weitgehend dem klassischen Delphi-Ansatz folgt, angesichts des panoramischen Anspruchs jedoch um zusätzliche methodische Module erweitert wurde. Die Vorgehensweise bestand dabei aus abwechselnden Phasen der Datenerhebung und Datenanalyse.

Um als erstes die fünf Megatrends zu identifizieren, haben wir einen qualitativen, theoretischen Ansatz gewählt und Literatur und persönliche Expertengespräche ausgewertet. Im zweiten Schritt haben wir aus den Megatrends sogenannte Wertethesen entwickelt. Diese wurden in einer repräsentativen Online-Befragung von Bürgern und Experten bewertet, also einer quantitativen Prüfung in der Praxis unterzogen. Dabei wurden die Teilnehmer mit Zukunftsszenarien konfrontiert und gefragt, wie verbreitet diese in Zukunft sein werden und ob das überhaupt wünschenswert wäre. Ihre Antworten spiegeln sich in acht Wertefeldern wider, die wir im letzten Schritt analysiert haben. Zusammengefasst: Was glauben Bürger und Experten, wie die Zukunft sein wird, und was halten sie davon?

http://www.values-visions-2030.com/home.html

2002, 2017, 2030: Fünf Megatrends und ihr Einfluss auf unser Leben – und Ihr Geschäft (zweiter Teil)

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