Von veränderter Mediennutzung, Viellesern, Preispolitik, der Automatisierung von Geschäftsprozessen und der Pflicht zu forschen und zu entwickeln (Buchmarkt Sonntagsgespräch vom 11.6.2017)

Das folgende Interview ist zuerst als „Sonntagsgespräch“ im Buchmarkt erschienen. 

Vor einem Jahr sprachen wir mit Ralf Biesemeier (Geschäftsführer readbox) darüber, wieso sich die Branche um neue, jüngere Zielgruppen (und ihre individuellen Anforderungen) bemühen müsse – heute fragen wir im Sonntagsgespräch noch einmal nach:

BuchMarkt: Herr Biesemeier, erläutern Sie doch noch einmal kurz, was Sie mit dem „Richtungswechsel für Verlage“ gemeint ist und welchen neuen Herausforderungen sich Verlage stellen müssen…

Ralf Biesemeier: Neu sind die Herausforderungen eigentlich nicht, sie entwickeln sich aber kontinuierlich weiter. Im Zentrum steht, die Zeit und Aufmerksamkeit gerade der jüngeren, nachwachsenden Konsumenten zu gewinnen (eben die nicht klassischen „Vielleser“ ). Die Entwicklung des Konsum-und Mediennutzungsverhaltens hat sich in diesen Zielgruppen ein ganzes Stück vom Buch entfernt. Wir müssen dafür sorgen, dass uns die jüngeren Konsumenten als zahlende Buchkäufer nicht verloren gehen.

Wo liegen die Aufgaben?

In vielerlei Hinsicht hat das vergangene Jahr gezeigt, wo die Aufgaben liegen. Die Digitalisierung und die mit ihr einhergehende Transparenz, Sichtbarkeit und Verfügbarkeit von Informationen und Inhalten hat für eine enorme Machtverschiebung von der Anbieter- zur Nachfragerseite gesorgt. Alles ist verfügbar und einem kurzen „Hey Siri“, „OK Google“, „Hey Cortana“ auch findbar. Gleichzeitig wächst das Medienangebot betändig an, ebenso die Anzahl der Kontaktpunkte (Touchpoints), an denen wir die Menschen erreichen. Das Ergebnis: Die Menschen bringen immer weniger Zeit für einzelne Themen, sie beschäftigen sich (zumindest im ersten Kontakt) immer oberflächlicher mit Themen und Angeboten – eine Microsoft-Studie zeigte gerade kürzlich: Das durchschnittliche Aufmerksamkeitsvermögen liegt inzwischen bei gerade mal 8 (!) Sekunden.

Der Trend scheint eindeutig: Das Konzept „Buch“ hat es im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Konsumenten schwer: Immer weniger Menschen lesen Bücher, die Zielgruppe der „Vielleser“ schrumpft kontinuierlich. (Klick auf das Bild öffnet eine größere Ansicht)

In der Gemengelage hat es das „Konzept Buch“ schwer. Als Medium sind Bücher oftmals nicht schnell genug, und ein Buch eignet sich eben auch nicht für den schnellen Konsum oder die kurzfristige Informationsbeschaffung nebenbei. Hier gewinnen mehr und mehr Medien wie Video-oder Audiostreaming, Browserspiele – das ist der Wettbewerb, der uns in den vor uns liegenden Monaten und Jahren intensiver beschäftigen muss. Hier genau liegen die Herausforderungen, und Statistiken belegen dies: Während wir uns (vielleicht aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit) immer wieder zurückziehen auf die (alternde und damit natürlich kleiner werdende Zielgruppe der „Vielleser“ , haben wir für die jüngeren und nachkommenden Generationen offenbar noch kein zeitgemäßes, zufriedenstellendes Angebot gefunden. Insgesamt haben 2015 2,37 Mio. (!) Menschen ab 14 Jahren weniger als noch 2012 mindestens einmal pro Monat ein Buch gelesen. Das ist ein Rückgang um 6,6 % – eine Zahl, die nochmal eine andere Dimension bekommt, wenn man bedenkt, dass laut Statistischem Bundesamt im selben Zeitraum die Bevölkerungszahl in dieser Altersgruppe sogar um knapp über 2% gestiegen ist.

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Von veränderter Mediennutzung, Viellesern, Preispolitik, der Automatisierung von Geschäftsprozessen und der Pflicht zu forschen und zu entwickeln (Buchmarkt Sonntagsgespräch vom 11.6.2017)

readbox Kundentag 2016: 3 Fragen an … Barbara Liebermeister (Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter)

In der vergangenen Woche hat Gerrit Klein den Anfang gemacht und unsere 3 Fragen im Vorfeld unseres am 7. und 8. Juni stattfindenden Kundentags beantwortet. Heute nun die zweite Folge dieses kleinen Frage-Antwort-Spiels, und zwar mit Barbara Liebermeister, die sich mit dem Thema „Management und Führung in Zeiten der Digitalisierung“ einen Namen gemacht hat.

Beim readbox Kundentag wird sie zeigen, auf welche Kompetenzen und Führungsqualitäten es in einer immer digitaleren Welt ankommt und welche Erfolgsfaktoren dafür sorgen, dass Organisationsstrkturen fit sind für das digitale Zeitalter. Ihr Vortrag: „Digital ist egal? Renditefaktor Mensch. Führung entscheidet (und wie Verlage Organisation und Führung im Digitalzeitalter denken müssen).

Barbara-Liebermeister-ScreenRes-Ausschnitt

Liebe Frau Liebermeister, verraten Sie uns, welches Buch Sie zuletzt gekauft haben (und wo, wann und in welchem Format)?

„Silicon Valley“ von Christoph Keese. Es handelt von Menschen im digitalen Zeitalter und den Wert des analogen Kontakts. Ich habe es im Rahmen der Recherche für mein eigenes Buch gekauft und da ich genau wusste, was ich will und brauche, habe ich es bei Amazon bestellt, das ist so wunderbar praktisch. Aber nur der Bestellvorgang war digital, das Buch hat Seiten und einen Deckel.

Wenn wir Ihnen 1.000.000€ zum Verwetten geben würden, auf welche(n) Zukunftstrend(s) würden Sie setzen?

Ich würde auf den Erfolg interessanter Business Pläne in Kombination mit den richtigen Menschen wetten und mich im Silicon Valley nach jungen Firmen umsehen, die eine gute Idee im Bereich Augmented Reality haben. (Mit fremdem Geld sieht man das Risiko freudiger.) Wahrscheinlich würde ich das Geld aufteilen und darüber hinaus nach interessanten Unternehmen im Gesundheitswesen suchen. Ich glaube, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen ein großer Treiber neuer Technologien sein wird. Wearables finde ich in dem Zusammenhang sehr spannend.

Was erwartet uns bei Ihrem Vortrag auf unserem Kundentag?

Unterhaltung. Kurzweil. Ein Feuerwerk an Geschichten. Und am Ende die Erkenntnis, dass bei aller Digitalisierung, die unseren Alltag mittlerweile ausmacht, der Mensch weiter in den Fokus rückt. Digital sind nur die Hilfsmittel, die uns helfen, das, was uns eigentlich interessiert, leichter zu finden und zu erreichen.

Frau Liebermeister, vielen Dank! Und bis zum 8. Juni im Dortmunder U!

Weitere Infos zum readbox Kundentag finden Sie hier.

 

readbox Kundentag 2016: 3 Fragen an … Barbara Liebermeister (Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter)

readbox Kundentag 2016: 3 Fragen an … Gerrit Klein (Ebner Verlag)

Am 7. & 8. Juni 2016 ist es wieder so weit: Zum vierten Mal laden wir unsere Kunden zum readbox Kundentag, dieses Mal unter dem Motto „Zukunft Buch? Wie gewinnen wir das Rennen um das Zeitbudget unserer Kunden?“

In den verbleibenden Wochen wollen wir unsere Referenten noch ein wenig besser vorstellen und tun dies mit Hilfe von drei Fragen. Den Anfang macht Gerrit Klein, 54 Jahre alt und Geschäftsführer des Fach- und Special-Interest-Medienverlags Ebner in Ulm. Sein Thema beim readbox Kundentag: „8 Schritte, wie User zu Käufern werden und welche Chancen sich für ein Medienhaus daraus ergeben (und warum Verlage sich als E-Commerce-Unternehmen verstehen müssen).

 

Gerrit Klein (GF, Ebner Verlag, Ulm)

Lieber Herr Klein, verraten Sie uns die Details ihres letzten Buchkaufs (wo, wann, welches Format, welches Buch)?

 

Immer Amazon (oder Audible – ist auch Amazon), da ubiquitär zugänglich. Dauernd – letzten Monat ein Dutzend Hörbücher für die Autofahrten. Ansonsten immer digital für den Kindle, das letzte Buch war: „How Not To Be Wrong: The Power of Mathematical Thinking“ von Jordan Ellenberg.

 

Wenn wir Ihnen 1 Mio. Euro zum Verwetten geben würden, auf welchen Zukunftstrend würden Sie setzen?

 

Auf keinen, Wetten sind etwas für Spieler. Ich würde höchstens investieren. In Sonos, Jaunt, Amazon. Und ein bisschen Facebook.

 

Was erwartet uns bei Ihrem Vortrag auf unserem Kundentag?

 

Die Ansage, dass Verlage alter Prägung schon tot sind. Sie wissen es nur noch nicht.

 

Herr Klein, vielen Dank! Bis zum 8. Juni in Dortmund!

 

Weitere Details (Agenda, Referenten, Themen, Logistik, etc.) finden Sie auf der Event-Website des vierten readbox Kundentags 2016.

readbox Kundentag 2016: 3 Fragen an … Gerrit Klein (Ebner Verlag)

In eigener Sache: readbox-Verlage mit stärkstem Wachstum im eBook-Markt

Am vergangenen Mittwoch berichtete der Buchreport unter dem Titel „Digitaler Dissenz“ über die aktuelle „Logistikumfrage“ des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel und eine Pressemitteilung, in der der Digitalauslieferer Bookwire eigene Zahlen zur Umsatz-und Absatzentwicklung präsentiert. Beiden Quellen ist zu entnehmen, dass der eBook-Markt deutlich stärker gewachsen ist (und weiter wächst) als die regelmäßige Leserbefragung des Börsenvereins und der GfK vermuten lässt. Eine gute Gelegenheit, die Entwicklung von Absatz, Umsatz und Vergütung der durch uns in der eBook-Auslieferung betreuten Verlage einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Samsung Techonomic Index 2015
Klick für eine Vollbildansicht (Quelle: Samsung)

Kurzer Querverweis am Rande: Vor ein paar Tagen hat Samsung die Ergebnisse der neuen Auflage ihrer Konsumentenstudie „Techonomic Index“ veröffentlicht. Zum zweiten Mal wurden 18.000 Menschen in 18 europäischen Ländern zur Ausstattung und Nutzung elektronischer Geräte befragt. Abgesehen davon, dass Deutschland in allen Kategorien schlechter abschneidet als der europäische Durchschnitt – und den interessanten Nutzungsdaten von TV, Video-on-Demand, Tablet, Smartphone & Co., stolpert man in einer Infografik, die der offiziellen Pressemitteilung von Samsung beigefügt ist, auch über das Thema eBook: Laut Samsung sind die Ausgaben im Jahresvergleich in Europa um 12% gestiegen – auch diese Zahl liegt höher als die vom Börsenverein für Deutschland kolportierte (7,6% im Jahresvergleich 2014 vs. 2013).

Wir haben nun unsere eigenen Leistungsdaten des Geschäftsbereichs „Digitale Auslieferung“ aufbereitet und den in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten gegenübergestellt. Das Ergebnis: readbox konnte für seine Verlage in den Vergleichszeiträumen (FY2014 und Q1/2015) die stärksten Absatz- und Umsatzzuwächse verzeichnen.

So konnten die durch readbox betreuten Verlage in 2014 (gegenüber 2013) ein Umsatzwachstum von +45,9% erzielen. Und auch im ersten Quartal 2015 konnte der Absatz signifikant gesteigert werden: Gegenüber den ersten drei Monaten 2014 setzten die readbox-Verlage +46,2% Einheiten ab.

Besonders bemerkenswert: Trotz der Änderung der Mehrwertsteuerregelung beim eBook-Verkauf auf das Bestimmungslandprinzip (bei Verkäufen von eBooks z.B. über Amazon an einen in Deutschland wohnhaften Käufer werden seit Januar 19% statt bisher 3% Mehwertsteuer fällig – entsprechend geringer fällt die Vergütung für den Verlag aus) konnte readbox für die betreuten Verlage die ausgezahlte Vergütung um +29,7% ggü. Vorjahreszeitraum steigern!

Die Ergebnisse im Überblick und Vergleich zu anderen veröffentlichten Zahlen:

*Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Logistikumfrage 2015 (Ausschuss für den Zwischenbuchhandel)

Weitere Zahlen, Daten und interessante Fakten über unser Geschäftsjahr 2014 finden sich im readbox-Jahresrückblick.

In eigener Sache: readbox-Verlage mit stärkstem Wachstum im eBook-Markt

Tinder? Candy Crush? Bücher? – oder wie die Smartphone-Nutzung Konsumverhalten und Mediennutzung verändert. Und wie Verlage darauf reagieren können.

Am Ende […] ist es nicht der Content, der verkauft wird. […] Es ist ein dopaminerger Prozess, ein Automatismus, der da erzeugt wird. Ein unterbewusster Automatismus, der zum ständigen wieder Klicken, wieder Gucken, wieder Klicken, wieder Gucken führt.

Digitalisierung, Smartphone-Boom, Aufmerksamkeitsökonomie – Alexander Markowetz, Informatiker in Forschung und Lehre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, arbeitete in seiner Keynote zum 3. readbox-Kundentag eindrucksvoll heraus, wie sich Konsumverhalten und Wettbewerbsumfeld für Medienunternehmen im allgemeinen und Buchverlage im Speziellen durch die zunehmende Digitalisierung und Smartphone-Nutzung verändert haben – und wie Strategien aussehen können und müssen, um in diesem Wettbewerb zu bestehen.

Basis für den Vortrag waren die Erkenntnisse aus (einer) der größten empirischen Studie(n) zur Smartphone-Nutzung weltweit (mehr zur Studie hier), die Markowetz an der Uni Bonn leitet und die erstaunliche Erkenntnisse zu Tage fördert, z.B. welche Effekte es hat, wenn Menschen im Schnitt alle 16 Minuten ihr Handy anschalten:

Die Achtsamkeit ist tot, ganz klar. […] Was wir zur Zeit betreiben […] ist kollektives Anti-Yoga. […] Und das nicht 30 Minuten, sondern 3 Stunden am Tag. Jeden Tag. […] Das hat einen Trainingseffekt. […] Wir landen bei einer Aufmerksamkeitsökonomie, die allumfassend ist.

Wie alle Vorträge unseres Kundentags haben wir auch die Keynote gefilmt. Und während die kompletten Mitschnitte und Präsentationen nur den Teilnehmern zur Verfügung stehen werden, haben wir den Vortrag von Alexander Markowetz zusätzlich zu einem 20-Minuten-Exzerpt zusammengeschnitten und mit Erlaubnis des Referenten auf unserem YouTube-Kanal (www.readbox.tv) öffentlich bereitgestellt. Und auch hier in unserem Blog wollten wir das Video gerne präsentieren. Nehmen Sie sich die 20 Minuten Zeit, es lohnt sich wirklich.

Die Verlage haben jetzt auch ein Problem. […] Wenn ich mich alle 16 Minuten unterbreche, komme ich nicht zu ‚Anna Karenina‘. Das ist völlig ausgeschlossen. Da lese ich die erste Seite immer wieder […] Das Buch als klassisches Unterhaltungsmedium wird schwierig, vorsichtig ausgedrückt.

Allen Teilnehmern des 3. readbox-Kundentags geht in den kommenden Tagen ein persönlicher Zugang zu den Unterlagen und Mitschnitten der Vorträge zu. Allen anderen können wir nur empfehlen, beim 4. Kundentag im kommenden Jahr dabei zu sein. Watch this space 🙂 Wir werden hier frühzeitig über den Termin informieren.

Video

readbox-Kundentag 2015: Keynote Speaker Alexander Markowetz im buchreport-Interview

Alexander Markowetz
Junior-Prof. Alexander Markowetz, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Nur noch wenige Tage, dann findet der dritte readbox-Kundentag in Witten bei Dortmund statt. Den Tag eröffnen wird Alexander Markowetz, Junior-Professor am Institut für Informatik der Universität Bonn und Leiter der „Menthal Balance“-Studie, der größten empirischen Studie zur Analyse der Smartphone-Nutzung.

Im buchreport.magazin 5/2015 wird zu diesem Anlass ein ausführliches Interview mit Alexander Markowetz erscheinen. Online ist seit heute ein Auszug zu lesen („Warum bedroht ‚Candy Crush‘ den Buchmarkt, Herr Markowetz?“).

Die permanente Beschäftigung mit dem Handy hat vor allem Auswirkungen auf unsere Konzentrationsfähigkeit, weil man immer schneller zwischen den Programmen und Apps hin und her wechselt. […] die Inhalte passen sich den geschrumpften Aufmerksamkeitsspannen an. Manche Genres im Buchbereich entfallen oder verändern sich komplett. (Alexander Markowetz im buchreport)

Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Diskussion, wie sich top appsPlanung, Gestaltung und Vermarktung von Büchern im weitesten Sinne verändern müssen, um dem veränderten Konsumverhalten (weiter) zu entsprechen und damit auch für die Konsumenten (aka. Smartphone-User) eine echte Kauf- und Nutzungsoption darstellen. Das wird sicher sehr, sehr spannend und inspirierend (Luise hatte übrigens hier neulich schon mal über Ihre Erfahrungen mit Ihrem Smartphone und der Menthal App berichtet).

Am 28.4. geht’s mit der obligatorischen Abendveranstaltung los. Der Countdown läuft …

readbox-Kundentag 2015: Keynote Speaker Alexander Markowetz im buchreport-Interview

Bücher verkaufen: Gestern, heute und morgen (Teil 3)

Bild von justgrimes via Flickr

Dies ist die Fortsetzung des zweiten Teils des Artikels „Bücher verkaufen: Gestern, heute und morgen“

These 3: Verlage erfinden sich und ihre Kernkompetenz neu – vom Produktspezialisten zum Daten-Experten für Märkte, Trends und Erfolgsfaktoren in der Autorenvermarktung

Im „Welt“-Artikel über Sony Music’s Neuausrichtung ist zu lesen:

Sony Music habe sich zuletzt stärker auf seine Kernkompetenz fokussiert. Dazu gehöre vor allem das Finden, Fördern und Weiterentwickeln von Künstlern. Einen Künstler heute bekannt zu machen, sei wegen der Vielfalt der Vertriebs- und Kommunikationskanäle noch komplexer als in der Vergangenheit.

Auf den ersten Blick hat mich diese Aussage überrascht. Ungestützt wäre ich jedenfalls nicht darauf gekommen, dass die „Kernkompetenz“ eines Major Labels wie Sony im Finden und Bekanntmachen von Künstlern liegt. Fördern und Weiterentwickeln – okay, aber das doch eher in Richtung Vertriebspower, Skaleneffekte, Key Account Management. Dinge eben, die Independents nicht so einfach bieten können.

Aber auch dieses Zitat zeigt, dass die Digitalisierung, Internetisierung, Mobilisierung der Gesellschaft die Art, wie wir Handel betreiben, deutlich verändert: Wir sind gewohnt, dass die Regalfläche im Laden das knappe Gut ist (war) und das Schaffen von Verfügbarkeit im Handel, in diesen Regalen, das Ziel der Wertschöpfung darstellt(e). In diesem Jahr sind laut der bereits zitierten IBM-Studie die Online-Weihnachtseinkäufe im Vergleich zum Vorjahr um erneut 8,3% gestiegen. 2013 wuchs der Online-Handel (über alle Produktkategorien) um knapp 42% – der Online-Handel alleine hat laut Handelsverband Deutschland (HDE) dafür gesorgt, dass die gesamte Branche überhaupt ein mageres Umsatzplus von 1,1% erreicht hat (Quelle: Wirtschaftswoche). Online jedoch ist nicht die Regalfläche, nicht die Verfügbarkeit das knappe Gut. Im Gegenteil: Online lässt sich alles sehr schnell und sehr einfach verfügbar machen. Der Wert für die Kunden entsteht hier in der (schnellen) Findbarkeit relevanter Ergebnisse zu ihrer Suche/ihren Bedürfnissen – und der Logistik (auch hier zählen Schnelligkeit und Einfachheit). Insbesondere, weil durch das einfache „Verfügbarmachen“ ein (immer größer werdendes) Überangebot entsteht.

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Bücher verkaufen: Gestern, heute und morgen (Teil 3)