eBooks: Wohin die Reise geht …

Kompass
Foto von Walt Stoneburner via Flickr

Das erste Quartal des Jahres ist vorbei, es ist immer noch Winter :-(, aber die Medienbranche ist im digitalen Geschäft weiterhin mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Nur wohin der Weg führt, das weiß anscheinend nach wie vor niemand genau. Noch sind wir, zumindest in Deutschland, nicht am „Trough of Disillusionment“ (übersetzt etwa „Talsohle der Ernüchterung“) angekommen – dem Punkt der Marktentwicklung also, ab dem laut der IT-Marktforschungsgesellschaft Gartner Group der Hype verfliegt und nur die Produkte und Anbieter überleben, die die Bedürfnisse der Nutzer wirklich und bestmöglich erfüllen. Erst ab diesem Punkt beginnt ein produktives Marktwachstum. „Survival of the Fittest“, könnte man sagen. Aber an diesem Punkt scheinen wir eben noch (lange) nicht zu sein.

So sind dieser Tage wieder viele Nachrichten zu lesen, beginnend mit der ewig andauernden Mehrwertsteuerdiskussion (diesem Thema widme ich demnächst mal einen ganz eigenen, exklusiven Beitrag – darüber gibt’s viel zu erzählen), über die ebenso ständig interessante Frage, wer eBooks eigentlich wirklich liestund wieund wo … bis hin zum aktuellen Urteil eines New Yorker Gerichts über den Wiederverkauf „gebrauchter“ digitaler Musikdateien (eBooks fallen hier wohl in die selbe Kategorie – wir hatten über Amazons Patent zum digitalen Second-Hand-Handel berichtet).

Gartner IT Hype Cycle Stages
Quelle: Gartner Group, http://www.gartner.com/technology/research/methodologies/hype-cycle.jsp

Mit letzterem mal angefangen: Mal abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach alles andere als klar ist, ob Geschäftsmodelle langfristig funktionieren, die auf dem Handel mit gebrauchten digitalen Gütern basieren (wo der Trend sich eher von „Besitzen“ hin zu „Nutzen“ entwickelt) – bei dem gerade ausgesprochenen Urteil ist zu sehen, wie kompliziert und unvorhersehbar der Markt teilweise funktioniert. „eBooks: Wohin die Reise geht …“ weiterlesen

eBooks: Wohin die Reise geht …

Thalia, Weltbild, Bertelsmann Club und die Telekom: Stolze Eltern des (der? dem?) „tolino“

Nachdem die bisherigen Initiativen (z.B. vom MVB/Trekstor) nicht wirklich den Erfolg gebracht haben, die man sich – vor allem im Buchhandel – von ihnen erhofft hat, ist jetzt ein Konsortium von drei großen Buchhändlern und der Telekom angetreten, um die „Antwort des deutschen Buchhandels auf die digitale Herausforderung“ zu geben. Im Mittelpunkt steht ein E-Ink-Reader (mit Hintergrundbeleuchtung), der „tolino“. Die Betriebssystem-Basis für die Plattform ist übrigens Android. Damit ist wohl damit zu rechnen, dass die Produktfamilie in Zukunft um weitere Geräte (Tablets?) erweitert wird.

Der Fokus liegt auf der „Offenheit“ des Systems, Nutzer sollen ihre Inhalte mitnehmen können, von Ort und Endgerät unabhängig und nicht an einen Anbieter gebunden sein. So wurde auch schon angekündigt, dass buecher.de als weiterer Partner hinzukommen wird. Alle Partner werden die tolino-Hardware anbieten und Inhalte dafür bereitstellen. Je nachdem, wo der Kunde seinen Reader gekauft hat, wird – das Konzept ist auch von anderen Lösungen bekannt – der entsprechende Shop vorinstalliert sein. Erhältlich sind nur deutschsprachige Titel – sicher mindestens für einen Teil der Kunden ein Argument sein, doch eher zum Kindle zu greifen.

Die Produktpräsentation läuft gerade noch, aber so wie es aussieht, gibt es keine Mobilfunk-Schnittstelle, der User ist auf WLAN beschränkt. Hier kommt aber ein interessanter Aspekt ins Spiel: Die Nutzer sollen einen kostenlosen Zugang zu Ihren Dokumenten in der „Cloud“ sowie wohl auch in den Shop über die rund 11.000 Telekom Hotspots bekommen. Über die Cloud wird auch die Synchronisation über verschiedene Reader und Apps ermöglicht.

Insgesamt macht das System keinen schlechten Eindruck. In jedem Fall sind Thalia, Weltbild und Co. mit dieser Lösung besser für den weiter wachsenden Markt aufgestellt als mit den bisherigen Angeboten dieser Häuser. Ab dem 7.3. soll der tolino im Handel verfügbar sein. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich dieses Angebot gegenüber dem Kindle behaupten kann.

Thalia, Weltbild, Bertelsmann Club und die Telekom: Stolze Eltern des (der? dem?) „tolino“