eBooks: Wohin die Reise geht …

Kompass
Foto von Walt Stoneburner via Flickr

Das erste Quartal des Jahres ist vorbei, es ist immer noch Winter :-(, aber die Medienbranche ist im digitalen Geschäft weiterhin mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Nur wohin der Weg führt, das weiß anscheinend nach wie vor niemand genau. Noch sind wir, zumindest in Deutschland, nicht am „Trough of Disillusionment“ (übersetzt etwa „Talsohle der Ernüchterung“) angekommen – dem Punkt der Marktentwicklung also, ab dem laut der IT-Marktforschungsgesellschaft Gartner Group der Hype verfliegt und nur die Produkte und Anbieter überleben, die die Bedürfnisse der Nutzer wirklich und bestmöglich erfüllen. Erst ab diesem Punkt beginnt ein produktives Marktwachstum. „Survival of the Fittest“, könnte man sagen. Aber an diesem Punkt scheinen wir eben noch (lange) nicht zu sein.

So sind dieser Tage wieder viele Nachrichten zu lesen, beginnend mit der ewig andauernden Mehrwertsteuerdiskussion (diesem Thema widme ich demnächst mal einen ganz eigenen, exklusiven Beitrag – darüber gibt’s viel zu erzählen), über die ebenso ständig interessante Frage, wer eBooks eigentlich wirklich liestund wieund wo … bis hin zum aktuellen Urteil eines New Yorker Gerichts über den Wiederverkauf „gebrauchter“ digitaler Musikdateien (eBooks fallen hier wohl in die selbe Kategorie – wir hatten über Amazons Patent zum digitalen Second-Hand-Handel berichtet).

Gartner IT Hype Cycle Stages
Quelle: Gartner Group, http://www.gartner.com/technology/research/methodologies/hype-cycle.jsp

Mit letzterem mal angefangen: Mal abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach alles andere als klar ist, ob Geschäftsmodelle langfristig funktionieren, die auf dem Handel mit gebrauchten digitalen Gütern basieren (wo der Trend sich eher von „Besitzen“ hin zu „Nutzen“ entwickelt) – bei dem gerade ausgesprochenen Urteil ist zu sehen, wie kompliziert und unvorhersehbar der Markt teilweise funktioniert. „eBooks: Wohin die Reise geht …“ weiterlesen

eBooks: Wohin die Reise geht …

Neues Patent ermöglicht Amazon den Handel mit „gebrauchten“ digitalen Inhalten

Bild von brewbooks via Flickr

(Danke für den Link, Andreas Andy Artmann – via Facebook) Wie GeekWire bereits am Montag berichtete, ist Amazon Ende Januar ein Patent über einen elektronischen Marktplatz zum Handel gebrauchter digitaler Produkte gewährt worden (den Originaltext gibt’s hier). Das Patent wurde schon 2009 eingereicht und beschreibt, wie digitale Produkte, die bereits einmal im Original gekauft wurden, vom Eigentümer an einen anderen User weiterverkauft werden können. Interessant: Die Begrenzung der Anzahl der möglichen Weiterverkäufe (Amazon nennt das „Moves“) is ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes.

Während es durchaus in den USA schon Angebote gibt, die z.B. einmal gekaufte Musikdateien handelbar machen (allerdings nicht unkritisch begleitet und teilweise bereits durch die Musikindustrie verklagt), ist das in dieser Breite neu. Über den Marktplatz sollen alle möglichen digitalen Produkte gehandelt werden können (E-Books, Musik, Spiele …). Der Teufel steckt dabei im Detail: Denn um das „Produkt“ weiterverkaufen zu können, darf es nicht kopiert sein (das Recht zur Vervielfältigung hat der User nicht). Es muss also technisch sichergestellt werden, dass das Original gelöscht wird – innerhalb des Amazon-Ecosystems ist das sicher darstellbar, insbesondere wenn alles nur in der Cloud verwaltet und gespeichert wird (interessant aber auch z.B. Re-Digis Ansatz hierzuRe-Digi ist eine der Plattformen, auf denen „Second Hand“-Musikdateien gehandelt werden können).

Stellt sich natürlich die Gretchenfrage (die wahrscheinlich eine rhetorische Frage ist): Wie verdienen die Verlage und Rechteinhaber an dieser Zweit- (Dritt-, Viert-, …) Verwertung der Inhalte? Und wie ist überhaupt die Rechtelage? Nach wie vor ist relativ unklar (und auch abhängig von den jeweiligen AGBs und Nutzungsbedingungen der Händler), ob beim Kauf eines E-Books beispielsweise das Produkt gekauft wird oder nur das Nutzungsrecht am Produkt. Andererseits: Warum sollte mit digitalen Produkten grundsätzlich anders umgegangen werden als mit körperlichen Produkten? Ein gedrucktes Buch kann auch überall weiterverkauft werden, bis sich kein Käufer mehr dafür findet. Wie sichergestellt wird, dass ein ledigliches Kopieren (und damit behalten des Originals) verhindert wird, bleibt aber eine spannende Frage …

Neues Patent ermöglicht Amazon den Handel mit „gebrauchten“ digitalen Inhalten